Puerto Angel - Zipolite

Alternativurlaub und Aussteigerparadies an der Pazifikküste Mexikos

15.02.2008 Heidi Fülle

Wo liegt Puerto Angel, wie entwickelte sich das kleine Fischerdorf in Oaxaca an der Pazifikküste und was mutet so liebenswert an?

Puerto Angel liegt im Bundesstaat Oaxaca, ca. 400 km von Acapulco entfernt, in einer Bucht an der Pazifikküste und war in den 1980er Jahren ein verschlafenes Fischerdorf in Mexiko. Es ist ein ehemaliges Piratennest, das durch die Buchtlage hervorragende Versteckmöglichkeiten auf Pazifikseite bot.

Entwicklung von Puerto Angel

Puerto Angel war zu dieser Zeit aufgrund der sehr mangelhaften Infrastruktur touristisch nicht erschlossen. Die Kommunikation zur Außenwelt war stark eingeschränkt, Radio und Fernsehen konnten nur zeitweise empfangen werden, es gab Wassermangel und Stromausfälle, die medizinische Versorgung fehlte ebenso wie ein Arzt, und das einzige Telefon befand sich damals – 1984 – in einer Apotheke. Auch eine Schule war nicht vorhanden. Dafür gab es eine Marinestation, die etwa 20 Männer beherbergte. Der einzige Supermarkt im Ort war in erster Linie der Versorgungstrakt für diese Marinesoldaten. Auch heute gibt es die kleine Marinestation im Ort noch, von der aus jeden Morgen um sieben Uhr zum Zapfenstreich geblasen wird.

Fehlende staatliche Entwicklungshilfe

Wollte man eine intakte Infrastruktur in Anspruch nehmen, musste man dafür in den benachbarten Ort Puchutla fahren, der ca. 13 km entfernt lag. Ein abenteuerlicher Bus fuhr im Stundenrhythmus dorthin oder man bediente sich eines peseros (abgeleitet von Peso; privates Sammeltaxi). Von Regierungsseite aus wollte man in Puerto Angel keine Gelder investieren, da aufgrund der Mangelstruktur alle Voraussetzungen fehlten und der Aufwand viel zu groß schien. Deshalb wurden für die Erschließung keine Gelder genehmigt, auch wenn die Einwohner dadurch besser hätten leben können, mehr Arbeitsplätze entstanden wären und der Ort touristisch an Attraktivität gewonnen hätte.

Im Gegensatz dazu standen die Orte Puerto Escondido und Huatulco, die beide nur ca. 70 km von Puerto Angel entfernt lagen. Von diesen versprach man sich Einnahmen aus dem Tourismus und große finanzielle Gewinne aufgrund der Austragung der Surf-Weltmeisterschaften in Puerto Escondido. Man kann sagen, dass Huatulco unter Präsident Portillo künstlich erschaffen wurde, d.h. dieser Ort war zuvor nicht existent. Man wollte Luxushotels als Pendant zu Acapulco und Cancun erbauen, um Einnahmen aus dem Tourismus zu erzielen. Für Puerto Angel hatte niemand mehr ein Ohr.

Alternativtourismus

Durch Eigeninitiative der Einheimischen konnte in Puerto Angel ein Alternativtourismus aufgebaut werden, wenn anfänglich auch eher schleppend. Das spartanische Leben in der Region um Puerto Angel zog viele Alternativurlauber, Hippies und Aussteiger an. Die Hippies konnten Marihuana konsumieren und sich an „Ongos“ berauschen. Die Indianer gaben diesen Pilzen, die LSD-ähnliche Rauschzustände verursachen, diesen Namen. Die Alternativurlauber und Aussteiger fanden ursprüngliches Land und für sie paradiesische Zustände vor. Die Nachteile der fehlenden Infrastruktur nahmen sie gern in Kauf. Es war sehr preiswert und naturnah. So konnte man in einer von Indianern vermieteten Strohhütte damals bereits für wenig Geld ohne Strom und Wasser nächtigen, aber auch das Schlafen in einer Hängematte auf einer Veranda unter freiem Himmel kostete mit Gemeinschaftsdusche umgerechnet nur circa 1,50 Euro.

Zu den ersten Aussteigern, die sich in Puerto Angel niederließen, zählte eine deutsche Lehrerin aus Frankfurt am Main, die Anfang der 1980er Jahre mit ihrem Mann die erste Pension im Ort eröffnete. Sie heißt Casa de gundi y tomas und existiert noch heute. Ende der 1980er Jahre kam ein Italiener mit seiner Frau nach Puerto Angel und lebte seinen großen Traum: die Eröffnung seines eigenen Restaurants. Das war der leise Beginn einer infrastrukturellen und touristischen Entwicklung Puerto Angels.

Puerto Angel heute

Heute sind Ort und Infrastruktur hier gut entwickelt, die Preise sind etwas gestiegen. Wer die natürliche Lebensform der Einheimischen kennen lernen und miterleben möchte, ist hier immer noch am richtigen Fleck. Sehenswürdigkeiten gibt es im eigentlichen Sinn keine, aber der Strand von Puerto Angel, der etwa 3,5 km entfernt liegt und sich Zipolite nennt, ist wunderschön. Er kann allerdings auch gefährlich werden, da Unterströmung und Haifischgefahr lauern. Wunderschön anzusehen sind auch die Meeresschildkröten, wenn sie am Leben sind. Weniger schön sind die Aasgeier, die auf den Abfällen der Tierkadaver einer damals benachbarten Schildkrötenfabrik.

Wer das Meer und Seemannsgarn liebt, kann in den sehr frühen Morgenstunden gemeinsam mit den Fischern aufs Meer hinaus fahren und sich seinen eigenen Fisch fangen oder fangen lassen. Er schmeckt hervorragend! Zur Hauptstadt Oaxacas mit gleichem Namen ist man etwa sechs Busstunden unterwegs. Man kommt durch die Hochebene, wo traditionell viele Ureinwohner, sprich Indianer leben, die noch ihre eigene Sprache sprechen: Mixtekisch. Es ist die einzige indianische Tonhöhensprache, die in Mittelamerika gesprochen wird. Die Indianer leben in kleinen Siedlungen, pflegen ihre Traditionen und naturnahe Lebensweise. Puerto Angel und Umgebung ist ideal für Rucksacktouristen und Menschen, die zum einen fernab vom Touristenrummel Erholung und Landeskunde miteinander verknüpfen und zum anderen auf Luxus, gediegenes Ambiente oder lauten Trubel verzichten möchten.

Der Artikel Puerto Angel - Zipolite in Mittelamerika-Reisen & Karibik-Reisen unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Puerto Angel - Zipolite ist Heidi Fülle.
Bucht von Puerto Angel, Eduard Erkelenz Bucht von Puerto Angel